Re:Publica: Zwischen Snapchat und Virtual Reality

Bereits zum zehnten Mal haben sich Anfang Mai tausende Menschen mit Interesse an digitalen Themen auf der Re:Publica Konferenz in Berlin versammelt. An drei Tagen gab es Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden, Möglichkeiten zum Vernetzen und zum gemeinsamen Feiern. Dabei kamen die Besucher der Re:Publica Ten aus den unterschiedlichsten Bereichen von „was mit Medien“: Influencer, Agenturleute, Journalisten, Angestellte großer Kommunikationsmarken wie Twitter, Microsoft oder YouTube, aber auch Vertreter der politischen Öffentlichkeitsarbeit oder sozialen Bereichen. Wie auch schon im letzten Jahr, war pure brands wieder mitten drin im Internet-Getummel!

Vortrag auf der Re:Publica

Ich geh’ erst mal schaukeln

Eines der vorherrschenden Themen war in diesem Jahr der Bereich Virtual Reality. Nicht nur viele Firmen haben die Möglichkeiten der neuen Technik aufgezeigt und zum Ausprobieren angeboten, diverse Vorträge zeigten auch auf, wofür Virtual Reality bereits eingesetzt wird und wo die Chancen und Herausforderungen für die Zukunft liegen. Besucher konnten beim Stand des ZDFs beispielsweise die ersten für das Format terra X mit 360°-Kameras gedrehten Folgen anschauen und fanden sich so nach dem Aufsetzen der Oculus Rift Brillen von Angesicht zu Angesicht mit dem Auge eines Vulkans. Nicht nur ein Neugieriger hat sich da ganz offensichtlich erst einmal sehr erschrocken! Bei einem anderen Anbieter bekamen die Besucher die Möglichkeit, mit einer Virtual Reality-Brille einen kleinen Ausflug in das Weltall zu unternehmen und so auf einer Schaukel ganz entspannt ein paar Minuten durch den Kosmos zu fliegen. Mehr als einmal entschieden sich wohl müde Konferenzteilnehmer, statt einem Vortrag zu lauschen, lieber eine kleine Runde durchs All zu schaukeln…

Virtual Reality zum Ausprobieren auf der Re:Publica

Snapchat ist doch nicht nur für Teenies

Das sich so viele Leute für das als Teenie-App verschriene Snapchat interessieren würden, damit hatten die Organisatoren der 10. Re:Publica wohl nicht gerechnet. Ein Lacher zum Start des ersten Snapchat-Vortrags: Das Publikum müsse sich noch kurz gedulden, der Redner sei bis eben in der Schule gewesen. Das war kein Scherz! Speaker der Session war ein kaum volljähriger Junge, der in der nächsten Stunde rund 500 Zuhörern Snapchat  näherbringen sollte: Was kann man mit der Anwendung machen, wie geht das und  braucht man wirklich die ganzen zuweilen albern anmutenden Filter, um erfolgreich zu  snappen? Nicht nur, dass die Re:Publica zu diesem Zeitpunkt die vermutlich höchste Dichte an Ü-50-Snapchat-Usern Deutschlands aufgewiesen hat, auch die bisher als weniger progressiv  wahrgenommenen Bereiche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der politischen Kommunikation konnten hier überraschen: So stellte in folgenden Panels beispielsweise eine Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit des EU-Parlaments den Snapchat-Kanal aus Brüssel vor, der einer jungen Zielgruppe das sperrige Thema der Europa-Politik erfolgreich vermittelt.  Auch Vertreter der Kommunikationsabteilung der baden-württembergische Regierung haben einen Nerv für Zeitgeist bewiesen. Zur Auffrischung der inzwischen 16 Jahre alten Kampagne „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ wurden in den letzten Jahren nicht nur Facebook und Instagram aktiviert, seit neuestem wird unter BWjetzt auch fleißig gesnappt. Und sogar die Tagesschau bereitet ihre Nachrichten inzwischen mit Funfaktor für Snapchat auf und die erste Social Media Volontärin des Öffentlich-Rechtlichen outete sich als regelrechte Snapchat-Enthusiastin. So wurde während der diversenen Panels zum Thema schnell klar: Marken haben hier einen echten Nachholbedarf und gehören definitiv nicht zu den Vorreitern bei der Nutzung des Channels!

Autor: Solvej Lüdke